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Es ist eine unbestrittene Tatsache, dass Zell im Wiesental zur Narrenzeit eine vollständige, alte Narrenstadt ist. In den alten Akten der vorderösterreichischen Regieru Nachdem man 1927 das 300-jährige Bestehen der Zeller Fastnacht mit allem fastnächtlichen Pomp gefeiert hatte, wurde 1928 die heutige Fastnachtsgesellschaft gegründet, die ab diesem Zeitpunkt begann das Fastnachtsgeschehen zu organisieren. Die Straßenfastnacht wird in Zell von elf Vogteien (Ortsteilen) getragen, die sich alljährlich in närrischem Wettstreit die Krone der besten fastnächtlichen Darstellung an den Umzügen streitig machen. Dabei ist die Talvogtei Grönland die 1897 gegründet wurde die älteste Vogtei. Hier wurde schon lange eigenständig und erfolgreich fastnächtliches Geschehen gestaltet. 1935/36 gründeten sich weitere Vogteien die sich der Fastnachtsgesellschaft unterstellten und Träger des weit und breit einmaligen Fastnachtsumzuges wurden. Entsprechend ihrer geographischen Lage innerhalb der Stadt haben diese Teilgemeinden klangvolle Namen. So gibt es „Innengemeinde, Mittelstadt, Obertal, Schwyz, Paradies, und Sonnenland“, In späteren Jahren gesellten sich die Altbadische Vogtei Gresgen, die Vogtei Adelsberg, die Bergvogtei Riedichen und die Narrenzunft Atzenbach hinzu. Zwischenzeitlich gab es noch für ein paar Jahre die Vogteien „Farbenreich und Henschenberg“. Die fastnächtliche Traditionsfigur ist das Zeller „Schrätteli“, ein Waldgeist bzw. Schratt, der in Form eines Tieres schlecht schlafende Menschen plagt. Das Wort Alptraum heißt in Zell „Schrättelidrucke“. Es soll frührer böse Weiber (Hexen) gegeben haben, die „schrattweis“ gehen konnten (d.h. als Schratt gehen). Daher das – wenn auch freundliche – Altweibergesicht des Schrättele. Dem Schrättele von 1938 folgten im Laufe der Jahre vogteieigene „Häsgruppen“, Fastnachtsfiguren die das alemannische Narrentreiben verkörpern. Wie die „Wöschwiiber, Märtwiiber, Wellemacher, Möhregeischter, Zeller Alti, Chriesigeischt, Chäsbohrer, Nachtwächter, Füürigi Marcher, Ankewiiber, Beeriwiiber, Schönebueche-Lotzi, Zweidotter, Gresger Fuhrmanne und D´Seiler. Die Fastnacht in Zell wird am 11.11. mit einem Zunftabend und der Vorstellung des „Hürus“ eröffnet. Etwa vier Wochen vor dem eigentlichen Termin veranstalten die Vogteien in ihren „Rathäusern“ „Kappenabende“ (kleine Zunftabende), an denen auf närrische Art die Vorgänge des verflossenen Jahres in Form von Schnitzelbänken und Sketchen glossiert werden, der Vogt mit seinem Rat gewählt und der sogenannte Bürgernutzen in Form eines einfachen Essens verteilt wird. Diesen Veranstaltungen stattet der „Hürus“ mit seinem Gefolge, Zunfträte und Pagen, jeweils einen Besuch ab. Orden und Geschenke sowie zum Teil närrisch deftiger Wortschatz, im Grunde der alte Streit zwischen „Herrscher“ und Untertan, feiert alljährlich fröhliche Urständ. Offizieller Auftakt der Straßen-Fastnacht ist der allseits bekannte, riesige „Hemdglunki-Umzug“ am „faiße“ oder „schmutzige Donnschtig“. Der Freitag bleibt Vogteiveranstaltungen vorbehalten. Am Samstag wird die offizielle Fastnachtszeitung verkauft. Mittelpunkt und Großereignis ist jeweils am Sonntag und Montag ein großer Umzug mit Fastnachtsspiel (Vorführung der Wagen). Abends finden sonntags der Hürusball und montags der Vogteiball, jeweils als Maskenball, statt. Der Dienstagnachmittag ist dem Kinderumzug mit einem anschließenden Kinderball vorbehalten. Abends gegen 19 Uhr findet das „Altweiberrennen“ statt, eine einmalige und originelle Veranstaltung, an welcher meist jüngere Männer in „Großmutters Klamotten“ maskiert, in der Stadtmitte, vielfach mit Kinderwagen, alten Fahrrädern und sonstigen Gefährten, ein Hindernisrennen absolvieren, bei dem nicht Zeit sondern Narretei entscheidet. Daran anschließend wird unter Vorantritt der Stadtmusik die Fastnacht unter Heulen und Wehklagen der „alten Weiber“ verbrannt. Bis 24 Uhr sind Hunderte vornehm oder schlampig kostümierte und maskierte „Alti“ unterwegs, ziehen von einem Lokal ins andere, hecheln und schnurren, versuchen ihre eigenen Männer auf die Probe zu stellen und Bekannte mit unbequemen Wahrheiten zu konfrontieren. Vielleicht haben sie auch ein „Chriesiwasser“ und „Fastnachtschüechli“ zum verteilen in ihrem „Chrättli“. Schlag 24 Uhr fallen unter Lachen, Staunen und manchmal auch Schrecken die Masken. Unermüdliche Narren haben am Samstag nach Fastnacht die Möglichkeit im altbadischen, evangelischen Stadtteil Gresgen „Buurefastnacht“ zu feiern. Am Sonntag Incocavit wird am Möhrenberg das „Schiibefür“ entzündet. Die dort glühend gemachten Scheiben fahren, von den bekannten frommen Sprüchen und Wünschen begleitet mit „Schibii-Schiboo“ ins Tal. In früheren Zeiten war dies ein Privileg des jeweiligen Rekrutenjahrgangs. Als diese Tradition zu erlöschen drohte, wurde der alte alemannische Brauch durch die Fastnachtsgesellschaft am Leben erhalten. |
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